Arlette Gruoner digital dialogues

Jeder kann digitale Kreativität!

A: Ist Design Thinking eigentlich für jeden etwas?

D: Absolut. Albert Einstein sagte, wenn er nur eine Stunde Zeit für die Lösung eines Problems habe, verwende er 50 Minuten darauf, das Problem zu verstehen. Die letzten zehn Minuten ist er dann kreativ und schöpferisch. 

A: Verstehe. Design Thinking ist eine Kreativitätsmethode, eine Strategie für die Lösung von Problemen. Was bedeutet das Design?

D: Die Lösung führt zu einer Visualisierung, einem Prototypen, der sehr schnell und unkompliziert getestet wird. Problem erkennen, Lösung finden, Prototyp bauen, prüfen, verwerfen, neu machen, verbessern, ein dynamischer Kreislauf bis zum finalen Produkt oder Service. 

A: Gib mir mal Beispiel, ich habe da gerade ein Flipchart mit Post-Its im Kopf.

D: Wenn es für dich ein Flipchart ist, okay. Für andere sind es Legosteine, wie für die google-Gründer bei ihrer ersten Suchmaschine. Das wichtigste ist: So schnell wie möglich umsetzen und testen. Mut haben zum Machen.

A: Gib mir mal ein konkretes Beispiel, bitte.

D: Nehmen wir das Problem Homeschooling. Corona kommt, Deutschland hat keine Lösung. Also schnell: Lösung und Umsetzung her. Für die Lösung muss man die Bedürfnisse des Kunden kennen, in diesem Fall der Schüler.  

A: Das Problem lautet: Wie geht professioneller Unterricht von zu Hause für alle Schüler so, dass sie dieselbe Bildung bekommen wie in der analogen Welt.

D: Genau. Das ist ja auch ihr Recht. Lösungsvorschläge entstehen dann in interdisziplinären Teams. In diesem Fall also mit den Eltern, Schülern, Lehrern, IT -Architekturexperten, Bildungsbeauftragten, Marketingleuten, Spezialisten für Videokonferenzen, Logistiker, Controller, Designer etc. Innerhalb von 30 Minuten müssen sie mindestens 30 Vorschläge machen. Besser 60. 

A: Nicht gerade viel Zeit.

D: Wir hatten in der Coronakrise keine Zeit. Man braucht keine Zeit für gute erste Lösungen. Man braucht Mut, Kreativität, Flexibilität und ein Team aus unterschiedlichen Fachbereichen. In der digitalen Welt darf man nie Zeit verschwenden. Muss sich agil verhalten.  

A: 30 bis 60 Vorschläge also.

D: Die werden geordnet, dann wird im Team dafür gevoted. Die besten fünf werden nochmals überprüft, der Gewinner wird visualisiert und getestet. Zum Beispiel eine Woche lang von zehn Schulklassen. 

A: Technisch klingt das anspruchsvoll. Eine digitale zentrale Plattform für alle Schüler.

D: Aus technologischer Sicht ist das kein Problem. Inzwischen sind wir technisch so weit, dass wir fast alles lösen können. 

A: Die Entscheidungsträger kommen aber aus der analogen Welt. Einen Vorwurf machen kann man da schlecht, ist ja auch eine Generationsfrage.

D: Sehe ich nicht so. Estland und Schweden haben so eine Plattform schon vor der Krise bereitgestellt. Möglich ist alles. Einzig, es fehlt der Wille.

A: Könnte jeder mit Design Thinking weiterkommen?

D: Ganz klar. Google hat mit Design Thinking das Problem des autonomen Fahrens gelöst. Schnell hatten sie es geschafft, ein Auto zu testen. BWW hat über die google-Mühle gelacht, die sicherlich als erster Prototyp ein sehr schlichtes Auto war. Inzwischen ist ihnen das Lachen aber vergangen.

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