Arlette Gruoner digital dialogues

Disruption total – raus aus der Komfortzone

A: Ist digitale Transformation immer disruptiv?

D: Ja. 

A:  Radikal, total, absolut?

D: Sagen wir mal, es gibt das halbe Ding nicht. Hätte Kodak den Mut gehabt, sich der digitalen Entwicklung zu stellen, hätten Sie sich selbst abgeschafft. Und wären dafür belohnt worden mit unendlich mehr Erfolg als jemals zuvor.

A: Aber muss man immer alles über Bord werfen, komplett neu beginnen, damit man sich digital transformiert?

D: Ja. Natürlich beginnt man mit dem ersten Schritt, der kann ja nicht sofort alles umfassen. Vollständige Transformation dauert viele Jahre.

A: Ok, sag es einfach nochmals, warum muss es zwingend ein Neustart sein?

D: Das klassische Geschäftsmodell funktioniert so: Du hast ein Produkt, das sich gut verkauft. Morgen oder übermorgen verkauft sich das Produkt aber nicht mehr gut. Das wird einfach jedem passieren. Es gibt immer einen, der es günstiger macht und dabei mehr Services anbietet. Ganzheitliche Probleme löst statt eine Sache zu verkaufen. 

A: Vitra, die Designermöbel herstellen, entwickeln zeitlose Dinge, die noch in 40 Jahren attraktiv sind und nicht an Preis verlieren.

D: Vitra hat dennoch verstanden, ganzheitlich zu denken. Das heißt ja nicht, dass es keine coolen Möbel mehr geben wird. Gerade Vitra denkt aber auch darüber nach, welche Funktionen diese Möbel haben in welchen Räumen für welche Bedürfnisse von uns? Ralph Gielgen, der Chefdesigner von Vitra, ist Zukunftsforscher und denkt über ganzheitliche Konzepte der New Work nach.

A: Ok, aber du weißt, was ich meine. Es gibt gute Produkte.

D: Natürlich. Und die muss es auch weitergeben. Das alleine reicht aber nicht. Der Kunde will mehr.

A: Nehmen wir eine gute Waschmaschine. Warum reicht das nicht?

D: Der Kunde will, dass sein Problem gelöst wird. Er will saubere Wäsche haben – dafür muss er diese Waschmaschine aber schon mal nicht mehr besitzen. Er will sie ja eigentlich nur nutzen. Und zwar eine Waschmaschine, die perfekt arbeitet. Wenn die Waschmaschine kaputt ist, will er, dass jemand an seiner Tür klingelt und diese repariert, noch bevor er bemerkt hat, dass sie kaputt geht. 

A: Also es geht um Services und Bedürfnisse, nicht mehr um Produkte.

D: Ganz genau. Es geht um Mobilität, nicht um Autos. Es geht ums Sauber machen, nicht um Waschmaschinen. Es geht um das Ganze. Es geht um Disruption, um dahin zu kommen. 

A: Fallen dir keine Firmen ein, bei denen das so radikal nicht nötig ist?

D: Wenn man nicht überzeugt ist, ist man nicht überzeugt. Dann kann man sich durch technologische Erweiterungen, besseren Kundenservice oder selbständige Mitarbeiter auch kleinteilig verbessern. Es ist dennoch gefährlich. Die Konkurrenz ist zu aggressiv. Zukunftsfähig bleibt man mit kleinteiligem Denken nicht. 

A: Würdest du WIRKLICH JEDEM empfehlen, sich langfristig vollständig zu transformieren.

D: JEDEM. Wie Satja Nadella sagt: Jedes Unternehmen ist ein Softwareunternehmen. Auch ein Hersteller für Wachmaschinen oder Autos.

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